„Unterwegs“: Müntefering kam mit der Linie Vier

Die Bevölkerung wird immer älter, der demographische Wandel ist in vollem Gange. Franz Müntefering hat erst vor wenigen Tagen seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert und ist auf Einladung der Volkshochschule (vhs) nach Lilienthal gekommen. Für den Weg vom Bremer Hauptbahnhof zum Kulturzentrum Murkens Hof nimmt er die Linie Vier und nutzt die Fahrzeit, um sich zu unterhalten.

Älter wird man zwar von alleine, aber man müsse darüber reden. Im voll besetzten Schröter-Saal (ca. 120 Personen) erzählt er über seine drei Punkte für ein gutes Älterwerden: „Laufen, Lernen, Lachen“ heißt sein Programm.

Mit dem Begriff „Laufen“ ist die Bewegung im Allgemeinen gemeint. Wer rastet, der rostet, dass sagt nicht nur ein Sprichwort. Bewegung hat immer auch einen positiven Einfluss auf das Gehirn. Müntefering sagt: „Bewegung der Beine ernährt das Gehirn.“

„Wir sind nicht sonderlich weise, nur sonderlich!“

Soziale Kontakte sind wichtig, im Alter vereinsamen Menschen oft. Auch hier kann Bewegung helfen: In vielen Sportvereinen werden Gruppen für Senioren angeboten. Wenn nicht, kann man anbieten, selbst eine zu organisieren. Die Begründung älterer Menschen, warum sie nicht an einer Seniorenveranstaltung teilnehmen, laute oft: „Da geh‘ ich nicht hin, die sind alle so alt…“ Alte Menschen würden manchmal sonderlich. Das sei aber kein Hinderungsgrund! Es sei allemal besser, mit sonderlichen Leuten spazieren zu gehen, als allein Zuhause zu sitzen.

Treppen sind eine Chance, nicht nur ein Hindernis

Die Unfallgefahr im Haushalt ist um ein vielfaches höher, als im Straßenverkehr. Sturzprophylaxe ist sehr wichtig! Gerade bei gedrehten Treppen ist ein Geländer an der Wandseite hilfreich: Wenn man die schmalen Stufen in der Spindel benutzt, könne man sich zwar am Geländer festhalten, aber dafür den Fuß nicht richtig aufsetzen. An der Breitseite der Stufen ist zwar die Wand, aber es fehlt die Möglichkeit zum Festhalten. Dieses Nachzurüsten ist kein großer Aufwand, aber gibt Sicherheit! Auch Teppiche könne Stolperfallen sein. Warum den Teppich nicht einfach an die Wand hängen?

Vereinsamung bedeutet auch, dass Menschen sich gehen lassen, nicht mehr waschen oder frisieren, den ganzen Tag im Bademantel zubringen. Oder vielleicht gar nicht mehr aufstehen. Es käme ja doch keiner, der einen sieht. Soziale Kontakte suchen und pflegen ist die Lösung. Müntefering berichtet von einer Veranstaltung namens „Mit Rädern zum Essen“. Hier kommen die Senioren einmal in der Woche zusammen, essen und reden miteinander (Anmerkung der Redaktion: So ein Angebot gibt es in Grasberg auch! Näheres dazu unten).

Lernen muss nicht unbedingt das Erlernen einer Fremdsprache bedeuten. Die Volkshochschulen bieten Kurse zu vielen erdenklichen Themen an. Das Lesen von Büchern hält geistig fit, der Konsum von guten TV-Beiträgen, Radiosendern und das Lesen der Tageszeitung ebenso. Lieber in die Tiefe gehen, als nur auf Geschwindigkeit aus zu sein. Als negatives Beispiel dienen hier die neuen Medien, bei denen oft nur noch die Überschrift gelesen wird. Ganz wichtig ist es, sich mit anderen Menschen über den Inhalt auszutauschen.

Jeder hat ein Recht auf Bildung. Ältere Menschen könnten zum Beispiel als Zeitzeugen an Schulen aus der Vergangenheit berichten. Oder als Lernpaten Kinder unterstützen. (Anmerkung der Redaktion: Ein solches Angebot gibt es in Lilienthal. Näheres dazu unten).

„Fühlen Sie sich alt? – Nein, ich BIN alt!“

Lachen ist ebenso wichtig. Der routinierte Redner Müntefering steuert sein Publikum auf humorvolle Weise auch durch schwierige Themen wie etwa Demenz und Sterben.

Zum Schluss Franz Müntefering gibt allen Anwesenden mit auf den Weg: „Immer morgens aufstehen!“

Zur Vertiefung der Thematik empfiehlt sich die Lektüre seines Buches „Unterwegs – Älterwerden in dieser Zeit“, ISBN 9-783801-205430, 23,- EUR (Unbezahlte Werbung, Hinweis laut Blogger-Kodex).

Über die Demografie in Grasberg und den aktuellen Wohnungsbau spricht die Bürgermeisterin Marion Schorfmann am Donnerstag, 6. Februar, um 15 Uhr im Rathaus, Speckmannstraße 30. Veranstalter ist der Grasberger Seniorenrat.

Foto: Marcus Schmidt

Zur Person: Franz Müntefering ist dem überwiegenden Teil der Gesellschaft als Politiker bekannt. Er war Verkehrsminister, Arbeitsminister, Vizekanzler und Bundesvorsitzender der SPD. Aus den öffentlichen Ämter hat er sich zurückgezogen, übt aber noch viele ehrenamtliche Tätigkeiten aus: Er ist Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) und Beiratsvorsitzender des Berliner Demografie Forums.

Tipps:

Der Grasberger Mittagstisch bietet jeden Dienstag eine kostengünstige Mahlzeit an. Im Mittelpunkt steht nicht das Essen selbst, sondern die Begegnung. Kontakt: E. Meyer 04208/3966 oder gleichstellungsbeauftragte@grasberg.de

Neues Angebot: Frühstück für Senioren in Seehausen – jeden zweiten Donnerstag im Monat im Dorfgemeinschaftshaus Seehausen, Seehauser Str. 21d, von 9.30 – 11.30 Uhr. Kosten: 5 EUR pro Person. Anmeldungen bis zum Montag vor dem jeweiligen Treff bei Marion und Günter Behrens unter der Telefonnummer 04208/ 25 19.

Die Bürgerstiftung Lilienthal baut für Kinder, die aus welchen Gründen auch immer eine Unterstützung benötigen eine Hausaufgabenbetreuung an allen Grundschulen in Lilienthal auf. Bei Interesse setzen Sie sich mit der Bürgerstiftung Lilienthal, Klosterstr. 23, Tel.: 04298/467701 in Verbindung.

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