Ein Weihnachtswunder für den Zirkus Eldorado

Der Lilienthaler Mitmachzirkus Eldorado ist durch die Corona-Beschränkungen hart getroffen. Seit Beginn der Pandemie im März dürfen sie nicht mehr arbeiten. Die Familie Thiel leidet nicht nur unter den finanziellen Einbußen. Der Kontakt mit dem Publikum und den Kindern fehle allen sehr. Katrin Förster hat die Familie im September besucht. Die traurige Stimmung der sonst so fröhlichen Zirkusfamilie hat sie zu einer einmaligen Hilfsaktion motiviert: Katrin Förster hat ein Kinderbuch geschrieben. Der Reinerlös ist für den Zirkus bestimmt.

Ein Kinderbuch wollte sie schon immer schreiben, sagt die Autorin. Nun hat sie diesen Traum für einen guten Zweck verwirklicht. Vor vier Jahren haben die Kinder der Familie Förster, Feenja und Finley, beim Zirkus Eldorado mitgemacht. Sie waren hellauf begeistert. Die studierte Pädagogin Förster überzeugte das Konzept der Zirkusfamilie. Als Mutter war sie total berührt davon, was die Familie Thiel in einer Woche vollbracht hat. Auch auf fachlicher Ebene zeigt sie sich schwer begeistert. Das Konzept der Familie sei stimmig und perfekt. Es wirke nachhaltig. Die Kinder wüchsen in einer Woche über sich hinaus. Durch den Applaus in den Vorführungen würde Dopamin im Gehirn ausgeschüttet. Dieses verstärke den Lerneffekt enorm. In der jetzigen schwierigen Lage wolle sie der Familie Thiel etwas zurückgeben. Sie möchte „ein Licht der Hoffnung für den Zirkus“ bringen, sagt Katrin Förster.

Unterstützung habe sie durch ihren Mann Lars erfahren, der sich verstärkt um die Familienarbeit gekümmert hat. Sie überzeugte ihren Bruder, Markus Häveker, in das Projekt einzusteigen. Der Ingenieur hat das Buch liebevoll illustriert. Er hat die Hauptfiguren sogar mittels 3-D-Drucker aus der Bücherwelt in die reale Welt gebracht. Ursprünglich plante die Autorin, das Buch gegen eine Spende abzugeben. Doch dieses sei leider nicht möglich. Als Autorin müsse sie das Buch verkaufen. Der Reinerlös müsse versteuert werden. Nach Abzug der Druckkosten und Steuern bleiben etwa fünf Euro pro Buch übrig. Der Betrag wird in einem Depot beim Futtermittel-Lieferanten angelegt und wird für Lieferungen an den Zirkus verrechnet. Frau Förster hat an den Bundesfinanzminister, Olaf Scholz, geschrieben und ihm die Situation geschildert. Bisher liegt noch keine Antwort vor. Aber wer weiß, vielleicht ist ja eine unbürokratische Lösung im Sinne aller Beteiligten möglich?

Die Zirkusfamilie Thiel wurde von den Kontaktbeschränkungen mitten in einem Schulprojekt getroffen. Von heute auf morgen herrschte Stillstand. Normalerweise wäre der Alltag gut durchstrukturiert. Ihnen allen fehle der Kontakt und die Arbeit mit den Kindern sehr, berichten sie. Es sei schön zu beobachten, wie in einer Woche ängstliche Kinder zu selbstbewussten wandeln. Diese Bestätigung ihrer Arbeit fehle ihnen. Den Kindern gefällt es im Zirkus. Sie finden die Schul- und Ferienprojekte herrlich. Es gab schon Kinder, welche sich allerlei ausdachten, damit der Zirkus nicht abreisen könne. Andere hätten sich vor den Eltern im LKW versteckt, um nicht abgeholt zu werden, berichten die Thiels.

Nach und nach durften Zoos und Wildparks wieder öffnen, auch Freizeitparks. Nur der Zirkus musste geschlossen bleiben. Die Schulen lassen keine fremden Personen auf das Gelände. Die Stimmung in der Familie ist trübe. „Wir wollen arbeiten, aber dürfen nicht“, so Bill Thiel. Die Abwechslung fehle ihnen. Die freie Zeit wird genutzt, um Arbeiten auf dem Gelände durchzuführen: Reparaturen werden erledigt und die Zirkuswagen neu lackiert. Aber das sei kein Ersatz für die Arbeit mit dem Publikum. Am Beispiel der Familie Thiel wird deutlich, wie wichtig das Publikum für Künstler ist. Die schlechte finanzielle Lage kommt hinzu. Bill Thiel sagt, sie haben kein staatliches Hilfsprogramm in Anspruch genommen. Für den Mitmachzirkus sei keine richtige Kategorie dabei. Das ganze System sei kompliziert und sehr bürokratisch. Auch in schlechten Zeiten sei man immer irgendwie durchgekommen.

Schulen haben Spendenaktionen durchgeführt. Hin und wieder kämen Sachspender und bringen beispielsweise altes Brot oder Tannengrün für die Tiere. Man glaubt es kaum, aber das sei ein Leckerbissen für die Kamele. Auch warme Winterkleidung wurde gespendet. Dafür sind die Thiels dankbar. Als er von der Aktion der Familie Köster erfuhr, war der sonst stets wortgewandte Bill Thiel erst einmal sprachlos. Seine Brüder sagen, dieses käme so gut wie nie vor. Das, was die Familie Förster für den Zirkus Eldorado tut, „geht direkt ins Herz. Das hat noch niemand für uns gemacht“, so Bill Thiel. Die Zirkusfamilie lässt sich nicht unterkriegen: „Wir geben nicht auf, auch wenn wir erst in fünf Jahren weitermachen können“, verspricht Bill Thiel.

Wichtel suchen ein neues Zuhause

Das Buch „Wurzelwichtel und das Weihnachtswunder“ handelt von einer Wichtelfamilie, die ihr Zuhause verliert. Mit einer Landkarte wollen sie den Weg ins Lilienthaler Gehölz finden. Leider ist die Karte beschädigt, die Wichtel biegen falsch ab und landen schlussendlich im Zirkus Eldorado. Da es in der Wichtelwelt keinen Zirkus gibt, sind die Wichtel überzeugt davon, in einem Schloss gelandet zu sein. Den Clown halten sie für den König. Leider können die Zirkusleute die Wichtel nicht sehen. Um auf sich aufmerksam zu machen, spielen diese Streiche. Zwei Lilienthaler Kinder, denen es nicht so gut geht, landen durch Zufall ebenfalls im Zirkus. Vor Heiligabend kommt es dann zu einem unglaublichen Showdown. Die lustige und zugleich rührende Geschichte ist gedacht für Kinder von fünf bis zwölf Jahren. Das Buch ist gebunden, liebevoll illustriert und hat 168 Seiten. Es ist zum Preis von zwölf Euro an den nachfolgenden Verkaufsstellen in Lilienthal erhältlich: EDEKA Haltermann Center, Mo’s Pizza, Bäckerei Kärgel, Haus Bahnhofstrasse 5; Nur im Rahmen des Lieferservice bei Naturblume und Blumenhaus Meyer. Verkaufsstellen in Borgfeld: Glücksmoment, Bäckerei Mann, Tannenbaum Forsthof Prüser, Haus Helene-Noltenius-Weg 104. Verkaufsstelle in Ottersberg: Praxis K. Cordes, Grüne Strasse 2. Über die eigens eingerichtete Website https://www.weihnachtswichtel.club/ können Bestellungen aufgegeben werden.

Von links nach rechts: Richard Thiel, Bill Thiel, Tilo Thiel, Katrin Förster und Markus Häveker. Foto: Christiane Seeger