Gefällte Bäume am Wiesendamm

Die Baumfällaktion im Wiesendamm beschäftigt die Anlieger der Straße weiterhin. Gudrun Kriete und Wolfgang Fischer haben der Bürgermeisterin Marion Schorfmann ein Protestschreiben geschickt, welches 49 Personen unterzeichnet haben. Darin werfen sie einige Fragen zur Vorgangsweise auf. Die Einwohnerfragestunde der Gemeinderatssitzung ist daher gut besucht, ca. 35 Teilnehmer möchten Antworten bekommen.

Gudrun Kriete bemängelt die „sehr radikale Baumfällung im Wiesendamm“. Sie hätte sich „mehr Bürgernähe und Transparenz“ gewünscht. Das Gespräch solle mit allen Anliegern und nicht nur mit den Beschwerdeführern gesucht werden. Sie fragt nach einer Baumschutzsatzung für Grasberg. Die Anwohner möchten für die 35 gefällten Bäume 35 Ersatzbäume.

„Gegen Bäume, gegen Klima, gegen Bürger“ – Gudrun Kriete

Wolfgang Fischer möchte wissen: „Wie ist der Beschluss zur radikalen Baumfällung entstanden?“ Wie viele Bäume seien krank gewesen, wie viele hätten die Straßendecke angehoben, wie viele den Verkehr gefährdet? Hätten sich Anwohner über Bäume beschwert? 21 Bäume seien markiert gewesen, warum wurden 35 Bäume gefällt? Warum sei der Gemeinderat übergangen worden? Warum wurden die Anwohner nicht einbezogen?

Bislang stand eine Baumschutzsatzung im Gemeinderat noch nicht zur Diskussion, da es keinen Antrag darauf gab, so die Antwort der Bürgermeisterin. In einigen Bebauungsplänen seinen Bäume zum Erhalt festgesetzt, z. B. Eichen in der Birkenstraße. Neupflanzungen sind bisher nicht geplant, es müsse erst geprüft werden, welche Bäume wohin passen würden. Nach Klärung dieser Fragen mit Fachleute können vielleicht im Herbst neue Bäume gesetzt werden.

„Das war meine Entscheidung.“ – Marion Schorfmann

21 Bäume wurden markiert, 5 der gefällten Bäume standen auf privaten Grundstücken. Die restlichen Bäume seien unklar. Es wurde keine einzelne Kartierung vorgenommen aus der hervorgeht, welcher Baum für welche Problematik sorgt. Generell wurden im Straßenraum Steine angehoben und der Rinnstein sei hochgekommen. Die Asphaltdecke sei nicht aufgebrochen. Anwohnerbeschwerden wegen Sichtbehinderung oder Laub habe es immer mal wieder gegeben, diese seien aber nicht Anlass für die Entnahme gewesen. Es gab in einem Fall eine Sichtbehinderung an einer Einfahrt. An anderer Stelle sei ein Zaun eingedrückt worden. Wurzeln hätten Pflastersteine hochgedrückt. Die Entnahme der Bäume war ihre Entscheidung nach Rücksprache mit drei Mitarbeitern, so Schorfmann.

Die Gemeindestraße habe eine hohe Verkehrsbelastung, unter der Straße laufen Versorgungsleitungen, die Schaden nehmen könnten. Die Bäume seien zu groß für diesen Straßenraum. Ob 5, 10 oder 15 cm vom Straßenrand entfernt, sei egal. In den nächsten Jahren seien die Schäden vorprogrammiert. Schorfmann beschloss alles auf einmal erledigen zu lassen, da die Maschinentechnik einmal vor Ort sei, als eine Maßnahme. Die Verwaltung sei zuständig für Verkehrssicherung und Straßenerhalt. Daher wurde nicht im Gemeinderat darüber gesprochen.

Die Anwohner möchten eine Verkehrsberuhigung. Der Wiesendamm ist eine Tempo 30 Zone, seit der Baumfällung sei er zur Rennstrecke geworden. Die bislang nicht gekennzeichneten Baumstümpfe seien gefährlich. Sie würden kurzfristig abgefräst, so Schorfmann. Auf die Frage nach der gefällten Kastanie an der Fußgängerbrücke, sowie der Buche auf dem Grundstück des ehemaligen Schaffert-Hauses wusste Schorfmann keine Antwort. Da müsse sie selbst nachfragen.

„Kaum zu fassen, in welcher Radikalität die Gemeinde vorgegangen ist“ so Kriete. „Die Bäume sind zu groß für diesen Straßenraum“ ist das Mantra von Schorfmann an diesem Abend, welches sie stets wiederholt.

Weitere Anwohner wünschen sich, dass zukünftig vorher Strategien entwickelt werden. Wolfgang Fischer schlägt vor, verkehrsberuhigende Buchten zu schaffen, in die Bäume gepflanzt werden können. Silke Paar (CDU) stellt schließlich den Antrag auf Neupflanzung. Der Charakter der Straße habe sich sehr stark verändert, dieser müsse wiederhergestellt werden. Für Elke Schnakenberg (SPD) ist die Neuanpflanzung in Absprache mit den Bürgern wichtig. Sabine Alpers (Die Grünen) möchte schon im Frühjahr mit dem Pflanzen beginnen und schlägt daher Weißdornhochstamm vor. Dieser biete Nahrung für Insekten, ist hitzebeständig und wird nicht so groß. Sie hat die Befürchtung, dass es sonst auf die lange Bank geschoben wird.

Schorfmann schreibt in ihre Agenda, dass die Stubben entfernt werden. Die Grundstückseigentümer werden befragt, ob sie den neuen Bäumen einen Platz auf ihrem Grundstück einräumen würden. Die Gemeinde braucht etwas Vorlauf, auch für die Baumplanungsausschusssitzung, daher wird es vor dem Herbst nichts. Ob die Haushaltsmittel für neue Bäume reichen, müsse ebenfalls geprüft werden, es sei kein Etat dafür eingeplant.

Kai Entelmann (CDU) macht sich dafür stark, die Neuanpflanzungen mit der gewünschten Verkehrsberuhigung in einem Antrag zu verbinden. Der Beschluss erfolgt einstimmig bei einer Enthaltung. Es werden 35 Bäume gepflanzt, falls nicht alle am Wiesendamm möglich sein sollten, wird die Kompensation an anderer Stelle stattfinden, wird nachträglich in den Beschluss aufgenommen.

„Jeder Anwohner könne so viele Bäume auf seinem Grundstück pflanzen, wie er will“, wird mehrfach betont und den Anwesenden mit auf den Weg gegeben.

Gefällte Kastanie an einem Seitenweg des Wiesendamms.

Meine Meinung:

Leider zählt der Wert einer intakten Straße hier mehr als lebende Bäume. Die Anlieger fühlen sich zu Recht übergangen. Dadurch wird ganz ohne Grund der allgemeinen Politikverdrossenheit Vorschub geleistet. Jetzt, da das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, muss alles dafür getan werden, um möglichst zeitnah eine gute Kompensation zu leisten. Um glaubwürdig zu bleiben, dürfen die Nachpflanzungen nicht unnötig auf die lange Bank geschoben werden. Für die Zukunft muss gelten, dass vor solchen radikalen Aktionen ein Plan für „danach“ aufgestellt wird. Miteinander reden ist auch hilfreich. (Ein Kommentar von Christiane Seeger)

An einer Stelle haben Baumwurzeln die Steine der Rinne hochgedrückt.

Info: Die Baumwertermittlung ist ein kompliziertes Feld, Gutachten können nur durch Fachleute gegeben werden. Einheitswerte liegen nicht vor. Wert einer 40 Jahre alten Kastanie nach der „Methode Koch“: 2.608,26 DM (Berliner Kammergericht, sog. Kastanienurteil)

Baumstümpfe beim Feuerwehrhaus.

Keine grüne Oase mehr!

Viele Vögel und andere Kleintiere haben ihr Zuhause verloren. Keine Schattenspender an den Gehwegen im Sommer. Der Anblick der Straße macht einfach nur traurig!

Die Entscheidung die Bäume, die in drei bis fünf Jahren nicht mehr standfest sein sollte, schon jetzt zu fällen – in einem Abbacken sozusagen – mag kosteneffektiv gewesen sein. Aber wenn es danach geht, werden ALLE Bäume irgendwann nicht mehr standfest sein. Also alle abholzen? Das kann doch nicht die Lösung sein!

Das sich die Gemeinde keine Gedanken über Neuanpflanzungen gemacht haben soll, sehe ich, wenn dem so ist, als ein großes Versäumnis! In Zeiten, wo der Klimawandel immer und überall auf der Tagesordnung steht, ist das mehr als nur kurzsichtig gedacht. Hier muss schnell gehandelt werden!

Generell geht der dörfliche Charakter immer mehr verloren

In den Außendörfern stehen Gebäude leer und verfallen. In Grasbergs Ortsmitte und dem Neubaugebiet herrscht ein regelrechter Bauboom. Grasberg muss aufpassen, dass es seinen dörflichen Charakter nicht vollends verliert und zu einem Schlafort für Pendler mutiert!

Mit einer Ausgleichsfläche für die abgeholzten Bäume könnte auch gleichzeitig etwas Schönes für die Bevölkerung geschaffen werden: Warum nicht über eine Streuobstwiese mit alten Obstbaumsorten nachdenken?

Ein Kommentar von Christiane Seeger

Berichte in der Wümme Zeitung vom 06.02.2020 und 14.02.2020

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