Kultur zum Anfassen

Der Treffpunkt für den wohl größten Bücherflohmarkt der Region ist „Buthmanns Hof“ in Fischerhude. Jahrelang wurde der Flohmarkt von „Terre des Hommes“ organisiert, vor einigen Jahren von den „Lions“ mit unverändertem Konzept übernommen. Das ganze Jahr über werden Buchspenden gesammelt und hier thematisch sortiert den Bücherfreunden angeboten.

Analoge Medien zuhauf

Über den Tischen hängen Schilder mit Aufschriften wie: Romane, Krimi, Kinder, Jugend, Heimat, Plattdeutsch, Weinachnachten (sic!), Gesundheit, Religion, Biografien, Reise + Geographie und vieles mehr. Teilweise sind die Bücher nicht gut zugeordnet, das mag aber auch an den Besuchern liegen, die einiges durcheinander wirbeln.

Aktuelle Bestseller dürfen nicht erwartet werden, dafür aber Verkaufsschlager der letzten zehn Jahre und mitunter auch wirkliche Schmankerl. Um solche literarische Kostbarkeiten aufzustöbern, bedarf es allerdings ein wenig Geduld. Schließlich besteht das Angebot laut den Veranstaltern aus mehr als 20.000 Büchern.

Der von der Schnäppchensuche erschöpfte Bücherfreund kann sich eine kleine Erholungspause bei Kaffee und Kuchen gönnen. Musikalische Untermalung durch die Dixiland-Combo „Old Hats“ und der Klezmerband „Cladatje“ wird ebenfalls geboten. Nur nach einer Preisliste wird man vergeblich Ausschau halten, denn der Preis für die Bücher wird am Ausgang nach Augenmerk erhoben. Der Erlös wird vollständig in gemeinnützige Projekte fließe, auch regionale Förderprogramme werden laut den Lions gerne unterstützt.

Im nächsten Jahr wird der Bücherflohmarkt bereits zum dreißigsten Mal stattfinden. E-Book-Reader wird es voraussichtlich nicht geben.

Annahme von Bücherspenden: Regengeschützte Bücherkiste auf dem Hof von Bernd Köster, Landstr. 2, Fischerhude

Bücherfreunde auf der Suche nach neuem Lesestoff in Buthmanns Hof.

Besonderes in der MusicHall Worpswede

Ein Paradies für Musikliebhaber ist die Schallplattenbörse der Worpsweder MusicHall. Allerdings wird nicht nur Vinyl angeboten, auch zahlreiche CD‘s sind in den Kästen zu finden. Verkratzte oder ungeliebte Schallplatten lassen sich auch zu anderen Zwecken verwerten, ein besonders schönes Beispiel sind die handgenähten Handtaschen.

Schallplattenbörse in der MusicHall Worpswede – statt Streaming bei Spotify & Co.
Echte Unikate: DIY-Handtaschen aus Schallplatten

Abschied vom Kindergarten Hof Langenmoor

Dreißig Jahre in einem Beruf, das ist heutzutage selten geworden. Und dann auch noch dreißig Jahre bei demselben Arbeitgeber – fast unmöglich! Monika Heuss-Hall hat das geschafft. Die Erzieherin im Kindergarten Hof Langenmoor hatte jetzt ihren letzten Arbeitstag und wurde von etwa fünfzig Kindern und Eltern verabschiedet.

Der Vorstand des Trägervereins hatte die ehemaligen Eltern angeschrieben und um Mithilfe bei einem schönen Geschenk gebeten: Aus Briefen, Fotos und Filmclips entstand ein Video, in dem an die Kindergartenzeit erinnert wird. In bunter Reihenfolge laufen die Bilder auf einem digitalen Bilderrahmen. Wechselnd stehen Kinder und Erwachsene davor und überlegen „Wer ist das denn?“ oder „Ach, die waren auch hier?!“.

Ein anderes Geschenk bleibt vor Ort: Die Bank, deren Rückenlehne aus dem Namensschild des ehemaligen großen Spielbootes gefertigt wurde. Das Boot, welches einst von Kindergarteneltern in vielen Arbeitsstunden selbst gebaut wurde, ist mittlerweile unsicher geworden und genügt nicht mehr den Auflagen für Spielgeräte an einer Kindertagesstätte. Das Namensschild von „Mo Ma“ – ein Kürzel der Vornamen der Erzieherinnen MOnika und MArianne – kehrt auf diese Weise zurück. Wenn Monika Heuss-Hall die Kinder besuchen kommt, wird das ihr Sitzplatz sein.

Draußen gibt es dann von den Kindern und Erwachsenen ein Ständchen, untermalt mit Gitarrenklängen: „Immer wieder kommt ein neuer Frühling. […] Und die Moni freut sich schon lange auf ihren Ruhestand. Denn jetzt heißt es neu anfangen…“ Danach wartet ein buntes Buffet mit Schokoküssen, Schokoladenriegeln, Obst- und Gemüseschnitzen bis hin zu Kuchen.

Monika Heuss-Hall steht nicht gerne so im Mittelpunkt wie heute. Ein paar Worte muss sie trotzdem sagen: „Ich sage immer, ihr Kinder seid das Kostbarste auf der Welt, kostbarer als Gold und Edelsteine. Und ihr Eltern seid das auch!“

Über den Kindergarten Hof Langenmoor: Gegründet wurde er 1983 als privater Spielkreis. Daraus wurde im April 1985 ein eingetragener Verein. Monika Heuss-Hall kam im Dezember 1990 dazu. Mit ihrer Kollegin Marianne Lange bildete sie 23 Jahre ein Team. 2012 wurde das Gebäude um einen Anbau für eine Krippengruppe erweitert. Der Träger des Kindergartens ist ein Elternverein. Alle Eltern werden in den Kindergartenalltag einbezogen, wer nur sein Kind abgeben will, ist hier fehl am Platze. Der Umgang miteinander ist ausgesprochen familiär. Das Motto von Hof Langenmoor lautet „Weniger ist mehr“. Das Erziehungskonzept legt viel Wert auf Freies Spielen. http://www.hof-langenmoor.de/

23 Jahre lang ein Team: Monika Heuss-Hall (links) und Marianne Lange (rechts)

Fotoreportage: Land unter

Nach den sintflutartigen Regenfällen in den letzten Tagen sind die Gräben und Flüsse extrem angeschwollen. Allerorten steht das Land unter Wasser. Die Bilder habe ich in Neu-Mooringen aufgenommen.

Ähnlich wie diese Seenlandschaft muss es hier vor 300 Jahren ausgesehen haben, als alles noch weites, wildes Moor war.

Ein Blick auf die Niederschlagsdaten der Wetterstation in Worpswede-Hüttenbusch, hier ein Screenshot von Wetterkontor.de, sagt alles. Am 24.02.2020 fielen 17,8 ltr Regen. Pro Quadratmeter wohlgemerkt!

Die dazugehörigen Sonnenscheinstunden lassen einen leicht in depressive Stimmungen verfallen. Wäre das ein Winter mit den früher üblichen Temperaturen, wären diese Niederschläge als Schnee heruntergekommen. Ein Paradies für alle Kinder…

In eigener Sache

Lokaljournalismus gibt es nicht nur auf der Ebene der Tageszeitungen, sondern auch bei Zeitschriften. In unserer Region wäre hier der „Torfkurier“ zu nennen. Zum einen wird dort ein Veranstaltungskalender für die Region zwischen Verden, Rotenburg und Osterholz geboten, aber auch immer spannende Interviews und Reportagen zu Themenschwerpunkten.

In der Märzausgabe dreht sich alles ums Radfahren. Götz Paschen hat mich zu meinem Blog „Radheldin“ interviewt. Es war ein sehr unterhaltsamer Nachmittag und daraus ist ein schöner Text geworden. Das Ergebnis ist nicht online zu lesen, der Torfkurier ist in Print erhältlich, z.B. bei Sonja Grube, Findorffstr. 11 in Worpswede oder Edeka Lohmann, Poststr. 4-6, Tarmstedt.

Transparenzhinweis/ Bloggerkodex: Unbezahlte Werbung, ich beziehe den Torfkurier im bezahlten Abonnement.

So sieht sie aus, die März-Ausgabe vom Torfkurier!

Vandalismus – nein danke!

Egal, ob gelangweilte Jugendliche oder alkoholisierte Kohlfahrer – Grasberg wird zur Zeit von Vandalen heimgesucht. Das Gebäude des TSV wurde beschmiert und beschädigt, in der Nacht darauf die Lampen auf dem Parkplatz der Sparkasse zerstört. Am Samstag haben in beiden Gaststätten Kohlpartys stattgefunden.

Der Respekt vor dem Eigentum anderer Menschen hat ebenso abgenommen, wie der Respekt anderen Meinungen gegenüber. Ein sehr erschreckendes gesellschaftliches Phänomen! „Die Freiheit eines jenen beginnt dort, wo die Freiheit eines anderen aufhört.“ (Immanuel Kant (1724—1804), deutscher Philosoph)

Diesen Grundsatz sollte sich jeder (!) ins Gedächtnis rufen.

In Lilienthal scheint das Prinzip erhöhter Polizeipräsenz etwas geholfen zu haben. Vielleicht hat sich das Problem aber auch nur örtlich verlagert. Jede/r möge doch ein wenig aufmerksamer sein, dieses Verhalten geht uns alle an.

Nicht immer bringen Scherben Glück.
Foto: Marcus Schmidt

Keine grüne Oase mehr!

Viele Vögel und andere Kleintiere haben ihr Zuhause verloren. Keine Schattenspender an den Gehwegen im Sommer. Der Anblick der Straße macht einfach nur traurig!

Die Entscheidung die Bäume, die in drei bis fünf Jahren nicht mehr standfest sein sollte, schon jetzt zu fällen – in einem Abbacken sozusagen – mag kosteneffektiv gewesen sein. Aber wenn es danach geht, werden ALLE Bäume irgendwann nicht mehr standfest sein. Also alle abholzen? Das kann doch nicht die Lösung sein!

Das sich die Gemeinde keine Gedanken über Neuanpflanzungen gemacht haben soll, sehe ich, wenn dem so ist, als ein großes Versäumnis! In Zeiten, wo der Klimawandel immer und überall auf der Tagesordnung steht, ist das mehr als nur kurzsichtig gedacht. Hier muss schnell gehandelt werden!

Generell geht der dörfliche Charakter immer mehr verloren

In den Außendörfern stehen Gebäude leer und verfallen. In Grasbergs Ortsmitte und dem Neubaugebiet herrscht ein regelrechter Bauboom. Grasberg muss aufpassen, dass es seinen dörflichen Charakter nicht vollends verliert und zu einem Schlafort für Pendler mutiert!

Mit einer Ausgleichsfläche für die abgeholzten Bäume könnte auch gleichzeitig etwas Schönes für die Bevölkerung geschaffen werden: Warum nicht über eine Streuobstwiese mit alten Obstbaumsorten nachdenken?

Ein Kommentar von Christiane Seeger

Berichte in der Wümme Zeitung vom 06.02.2020 und 14.02.2020

Kahlschlag

„Love is the Drug“ – Gustav Peter Wöhler in der MusicHall Worpswede

„Love is the Drug“ – ein passendes Motto für den Valentinstag. Kurz vorher gastierte Gustav Peter Wöhler mit Band in der MusicHall Worpswede. Dieses Kleinod lockt nicht nur die Musikfans aus der näheren Umgebung, sondern auch aus weiter entfernten Landkreisen wie Cuxhaven, Diepholz oder Lüneburg.

Wer länger nicht in der MusicHall war, wird von den neuen, großzügig gestalteten Waschräumen begeistert sein. Ebenfalls neu ist die Garderobe vor dem Einlass.

Der Star des Abends trägt anders als auf unserem Foto einen Vollbart. Wer weiß, vielleicht für eine neue Rolle? Der Sexyness, mit der er gerne kokettiert, tut es keinen Abbruch.

Das Konzert ist bestuhlt, der eher ruhigeren Setlist und des gesetzteren (?!) Alters des Publikums wegen. Wöhler selbst tanzt eifrig auf der Bühne. Er dreht sich wie ein Kreisel, eventuell hat er sich das bei Dave Gahan von Depeche Mode abgeschaut. Ansonsten pflegt er einen ganz authentischen Tanzstil, an dem sich kein Choreograf abgearbeitet hat. Auch sein Schuhwerk ist nicht nach der Optik, sondern vermutlich nach Bequemlichkeit ausgesucht.

Zu Beginn werden einige Songs des neuen Albums gespielt, wie das namensgebende „Love is the Drug“ von Roxy Music, welches auch schon von Grace Jones und Kylie Minogue gecovert wurde. Mit „Four Seasons in one Day“ wird auf den Klimawandel angespielt. Später folgen Klassiker wie „Mother’s Little Helper“ von den Rolling Stones oder „Friday I‘m in Love“. Titel wie „Life on Mars“ von David Bowie sind ebenso dabei, wie Songs aus dem Hause Simon & Garfunkel.

Der Bassist Olaf Casimir und Mirko Michalzik an der akustischen Gitarre begeistern nachhaltig. Wöhler zieht sich auch mal zurück und lässt seinen Bandmitgliedern Freiraum. Bei der Tonqualität bleiben keine Wünsche offen. Die Werke von Rio Reiser passen sehr gut zu Wöhlers Stimmlage. „Für Immer und Dich“ trägt er mit absoluter Emotionalität vor. Die Zugabe endet treffenderweise mit „Bye, bye, Junimond“. Bye, bye, liebe Gustav Peter Wöhler Band – hoffentlich gibt es 2021 ein Wiedersehen!

Zur Person: Gustav Peter Wöhler (63 Jahre) ist aus unzähligen TV-Rollen bekannt: SK Kölsch, Alles außer Mord und Tatort sind nur einige davon. Er hat eine klassische Schauspielausbildung und auch mit Claus Peymann und Peter Zadek zusammengearbeitet. Seit mehr als zwanzig Jahren steht er auch als Musiker auf der Bühne. Er schreibt keine eigenen Songs, sondern interpretiert englische und deutsche Klassiker auf seine ganz eigene Weise.

Transparenzhinweis / Bloggerkodex: Unbezahlte Werbung, da Hinweis auf CD. Meine Eintrittskarte zum Konzert habe ich selbst bezahlt.

Auch in der MusicHall Worpswede, aber damals ohne Bart!
Foto: Marcus Schmidt